Die Mark­tkap­i­tal­isierung wird oft als Gewich­tungsindika­tor inner­halb des Port­fo­lios ver­wen­det. Hier erfahren Sie, welch­es Ver­fahren bess­er geeignet ist.

Worum geht’s
  • Eine Port­fo­lioal­loka­tion nach BIP-Gewich­tung spiegelt die tat­säch­lich ökonomis­che Rel­e­vanz einzel­ner Län­der deut­lich bess­er wider und ver­ringert das Expo­sure gegenüber zu hoch bew­erteten Anla­gen.
  • Dies führt zu bess­er diver­si­fizierten Port­fo­lios und höheren langfristi­gen Ren­diten für unsere Anleger.
  • Aus diesem Grund set­zt Gin­mon im Gegen­satz zu den meis­ten anderen Robo Advi­sorn auf eine Port­fo­lioal­loka­tion nach BIP-Gewich­tung.

Was ist ein Index, der auf Marktkapitalisierung basiert?

Die Port­fo­lioal­loka­tion auf Basis der Mark­tkap­i­tal­isierung war über viele Jahre hin­weg der Gold­stan­dard zur Verteilung des Kap­i­tals auf Anlageti­tel aus ver­schiede­nen Län­dern und Regio­nen. Dabei wird die Größe des nationalen Kap­i­tal­mark­tes ermit­telt und ins Ver­hält­nis zur weltweit­en Mark­tkap­i­tal­isierung geset­zt. Die anzule­gende Liq­uid­ität wird anschließend basierend auf den jew­eili­gen rel­a­tiv­en Ver­hält­nis­sen der Aktien­märk­te untere­inan­der verteilt. Es gibt zahlre­iche gute Gründe, weshalb dieser Ansatz bre­it­en Zus­pruch in der Ver­mö­gensver­wal­tung fand: Unter der Annahme von voll­ständi­ger Mark­t­ef­fizienz stellt die Mark­tkap­i­tal­isierung ein objek­tives Kri­teri­um zur Bew­er­tung der Kräftev­er­hält­nisse auf den Aktien­märk­ten dar. Außer­dem favorisiert die Gewich­tungsmeth­ode Anlageklassen mit hoher Liq­uid­ität.

Ein bekan­ntes Beispiel für eine Gewich­tung nach Mark­tkap­i­tal­isierung ist der beliebte MSCI World Index, der etwa 1.600 Unternehmen aus 23 Indus­trien­atio­nen abbildet. Anleger, die in einen MSCI World-ETF investieren, erhof­fen sich dadurch auf ein­fachem Wege eine bre­ite Diver­si­fika­tion ihrer Gel­dan­lage. Aber wer­den ihre Hoff­nun­gen wirk­lich erfüllt?

Diese Grafik zeigt: Wer auf den MSCI World Index und damit eine Gewich­tung nach Mark­tkap­i­tal­isierung set­zt, legt über 60% seines Geldes in den Aktien­markt der USA an. An diesem Bild ändert sich nicht viel, wenn man stattdessen in den MSCI All Coun­try World Index investiert. Dieser bildet cir­ca 2.750 Unternehmen aus 23 Indus­trien­atio­nen und 24 Entwick­lungslän­dern ab. Er ist also — schein­bar — noch bre­it­er diver­si­fiziert. Doch auch hier beträgt der Anteil von US-Aktien immer noch über 50%, was somit kaum die Diver­si­fika­tion darstellt, die sich Anleger durch eine glob­ale Gel­dan­lage erhof­fen.

Ein weit­eres Prob­lem hier­bei: Der alleinige Blick auf die Mark­tkap­i­tal­isierung erhöht die Wahrschein­lichkeit, Märk­te höher zu gewicht­en, deren Bew­er­tung nicht mehr nur auf ökonomis­chen Fun­da­men­tal­dat­en beruht.

Die Gefahren einer Gewichtung nach Marktkapitalisierung

Ein drama­tis­ches Beispiel hier­für erlebten Anleger, die in den 1980er Jahren in den japanis­chen Aktien­markt investierten. Nach ein­er beein­druck­enden wirtschaftlichen Entwick­lung hat­te es Japan inner­halb weniger Jahrzehnte geschafft, seinen Anteil am weltweit­en Brut­toin­land­spro­dukt von weniger als 1% auf über 15% zu steigern und wurde damit zur zweit­größten Volk­swirtschaft der Welt. Getrieben von dem mas­siv­en Wach­s­tum, einem gesteigerten nationalen Selb­st­be­wusst­sein und ein­er lock­eren Zen­tral­bankpoli­tik entwick­elte sich der Aktien­markt bis zum Ende der 1980er Jahre noch bess­er als das Brut­toin­land­spro­dukt. 1988 betrug der japanis­che Anteil der weltweit­en Mark­tkap­i­tal­isierung knapp über 40%. Anleger, die ein glob­al diver­si­fiziertes Port­fo­lio basierend auf der Mark­tkap­i­tal­isierung der nationalen Aktien­märk­te hiel­ten, investierten demzu­folge über 40% in japanis­che Unternehmen.

Zu Beginn der 1990er zeich­nete sich allerd­ings immer deut­lich­er ab, dass die Bew­er­tung der japanis­chen Aktien­märk­te auf irra­tionalen Erwartun­gen über die zukün­ftige Entwick­lung der japanis­chen Wirtschaft basierte. Auf dem Höhep­unkt der Blase über­traf beispiel­sweise der Wert des Gelän­des unter dem japanis­chen Kaiser­palast in Tokyo den von ganz Kali­fornien¹. Die anschließende Rezes­sion führte schlussendlich zum berühmten ver­lore­nen Jahrzehnt, deren Fol­gen immer noch nach­wirken. So ist der japanis­che Aktienin­dex noch heute cir­ca 47% von seinem his­torischen Höch­st­stand ent­fer­nt. Als Resul­tat der Rezes­sion beträgt der Schulden­stand Japans im Ver­hält­nis zum Brut­toin­land­spro­dukt aktuell 248%. Japan ist damit ein­samer Spitzen­re­it­er — gefol­gt von Griechen­land mit einem Schulden­stand von 177%². Wie im obi­gen Graph zu sehen ist, bewegt sich der Anteil Japans am weltweit­en BIP und der weltweit­en Mark­tkap­i­tal­isierung seit 2004 kon­stant auf einem ähn­lichen Niveau um die 7%.

Das Beispiel der japanis­chen Volk­swirtschaft zeigt also, welche drama­tis­chen Fol­gen die Gewich­tung auf Basis der Mark­tkap­i­tal­isierung trotz der beschriebe­nen Vorteile haben kann. Der Graph zeigt außer­dem, dass sich der Anteil der USA an der weltweit­en Mark­tkap­i­tal­isierung auf einem ähn­lich hohen Niveau befind­et wie Japan Ende der 1980er. Natür­lich lässt sich nicht allein deswe­gen sagen, dass die USA das gle­iche Schick­sal ereilen wird wie Japan.  Den­noch macht es Sinn, sich nach Alter­na­tiv­en zur Gewich­tung nach Mark­tkap­i­tal­isierung umzuse­hen, um dem Prinzip der möglichst bre­it­en Diver­si­fika­tion treu zu bleiben. Hier liefern Melas, Briand und Urwin (2011)³ einen Ansatz, der stärk­er auf fun­da­men­tal­en Kri­te­rien beruht. Ins­beson­dere das BIP eignet sich demzu­folge als Kri­teri­um zur Port­fo­li­o­gewich­tung opti­mal.

Der Buffet-Indikator: “Wahrscheinlich das beste Einzelmaß, wo Bewertungen zu einem bestimmten Zeitpunkt stehen”

Ein zen­traler Indika­tor für die Stärke ein­er Volk­swirtschaft ist das Brut­toin­land­spro­dukt. Es spiegelt den Gesamtwert der in einem Jahr im Inland erzeugten Waren und Dien­stleis­tun­gen wider und wird von allen Mark­t­teil­nehmern als zen­trale Mess­größe für das Wach­s­tum ein­er Nation oder Region herange­zo­gen. Somit ermöglicht das BIP einen fun­da­men­tal­en Blick auf die Wirtschaft­skraft eines Lan­des. Ver­gle­icht man das Brut­toin­land­spro­dukt mit der jew­eili­gen Mark­tkap­i­tal­isierung, ergibt sich fol­glich ein Näherungswert zwis­chen der Bew­er­tung des Aktien­mark­tes und dem tat­säch­lichen Out­put ein­er Volk­swirtschaft — der soge­nan­nte Buf­fett-Indika­tor. Dieser wurde von der Inve­storen­le­gende War­ren Buf­fett entwick­elt und von ihm als “wahrschein­lich das beste Einzel­maß, wo Bew­er­tun­gen zu einem bes­timmten Zeit­punkt ste­hen” beschrieben. Die Kenn­zahl kann dafür ver­wen­det wer­den, zu beurteilen, ob die Aktien­mark­t­be­w­er­tung tat­säch­lich den erzeugten ökonomis­chen Out­put wider­spiegelt.

Grund­sät­zlich gilt: je höher der Wert des Buf­fett-Indika­tors, desto teur­er ist der Aktien­markt im Ver­gle­ich zu den gesamtwirtschaftlichen Erzeug­nis­sen ein­er Nation und desto wahrschein­lich­er ist eine Über­be­w­er­tung des Aktien­mark­tes. Ein Blick auf den Buf­fett-Indika­tor der Vere­inigten Staat­en zeigt Erschreck­endes: Seit 2013 hat sich die Mark­tkap­i­tal­isierung von dem amerikanis­chen Brut­toin­land­spro­duk­tes stetig ent­fer­nt. Momen­tan liegt der Wert bei his­torischen 156%. Zum Ver­gle­ich: Der Buf­fet Indika­tor Japans lag im Jahr 1989 — also kurz vor dem Crash — bei 145%. Weit­er­hin wird deut­lich, dass die Mark­tkap­i­tal­isierung als Gewich­tungsindika­tor deut­lich volatil­er ist als das reale Wirtschaftswach­s­tum.

Ins­beson­dere in extremen Wach­s­tums- und Krisen­phasen führt die Ver­wen­dung der  Mark­tkap­i­tal­isierung dazu, dass einzelne Märk­te und Unternehmen ein über­pro­por­tionales Gewicht in den Anlegerport­fo­lios erhal­ten. Dadurch wer­den über­be­w­ertete Unternehmen entsprechend höher gewichtet. Denn wie das Beispiel der japanis­chen Volk­swirtschaft zeigt, stimmt die Ertragskraft eines Unternehmens nicht immer mit der Mark­tkap­i­tal­isierung eines Unternehmens übere­in. Soll­ten Anleger in diesem Mark­tum­feld also weit­er auf die Mark­tkap­i­tal­isierung als Gewich­tungskri­teri­um bauen?

Fundamental, emotionslos, ausgeglichen — die Vorteile einer BIP-Gewichtung

Die BIP-Gewich­tung bietet Anlegern eine sin­nvolle Alter­na­tive, da sie auf fun­da­men­tal­en Dat­en beruht. Das Drei-Fak­toren-Mod­ell von Nobel­preisträger Prof. Eugene Fama und Prof. Ken­neth French, das den Kern unser­er Anlagephiloso­phie bildet, betont die Bedeu­tung fun­da­men­taler Gewich­tung. Ein weit­er­er wichtiger Fak­tor ist, dass eine BIP-Gewich­tung emo­tion­al getriebene Entwick­lun­gen auf dem Aktien­markt außen vor lässt.

Darüber hin­aus berück­sichtigt die BIP-Gewich­tung alle Unternehmen ein­er Volk­swirtschaft und nicht nur die börsen­notierten Konz­erne. Dies erweist sich beispiel­sweise in Deutsch­land als beson­ders vorteil­haft, wo viele Unternehmen — anders als in den USA — den Gang an die Börse scheuen und oft­mals noch in Fam­i­lien­hand sind. Fir­men wie Bosch, Aldi, die Schwarz-Gruppe (Lidl), Würth oder Ber­tels­mann gehören zu den größten Fir­men Deutsch­lands, sind aber alle­samt nicht an der Börse vertreten. Somit tra­gen sie auch nicht zur Mark­tkap­i­tal­isierung der Bun­desre­pub­lik bei.  Die neue Gewich­tungsmeth­ode anhand des BIP hat den Vorteil, der realen Rel­e­vanz der deutschen Wirtschaft deut­lich bess­er Rech­nung zu tra­gen.

Weit­er­hin wer­den Wach­s­tumsmärk­te wie Chi­na und Indi­en, deren Kap­i­talmärk­te im Ver­gle­ich zur Wirtschaft­sleis­tung noch weniger stark entwick­elt sind, durch die BIP-Gewich­tung stärk­er berück­sichtigt. Dadurch wer­den Port­fo­lios noch aus­geglich­en­er und weniger abhängig von einzel­nen Märk­ten, was auch zu ein­er Verbesserung der Per­for­mance beitra­gen sollte. Dies wurde durch eine Studie von MSCI Bar­ra (2010) bestätigt, in der BIP-gewichtete Port­fo­lios um jährlich 2,6% höhere Ren­diten aufwiesen. 

Mark­tkap­i­tal­isierung in % BIP in % Unter-/Übergewich­tung in %
USA 52,6 24,4 -28,2
Großbri­tan­nien 5,7 3,2 -2,5
Schweiz 2,7 0,9 -1,9
Chi­na 3,6 15,0 11,4
Deutsch­land 3,1 4,6 1,5
Rus­s­land 0,4 1,9 1,4


Faz­it: Die Gewich­tung nach der Mark­tkap­i­tal­isierung ist nicht effizient, resul­tiert in hochkonzen­tri­erten Port­fo­lios mit ein­er starken Konzen­tra­tion im US-Markt und birgt fol­glich ein hohes Klumpen­risiko. Hier wird langfristig Ren­ditepoten­zial liegen gelassen und eine opti­male Diver­si­fika­tion ver­hin­dert. Deshalb berech­net sich die Län­dergewich­tung unser­er Port­fo­lios auf Basis der jew­eili­gen nationalen Wirtschaft­sleis­tung.

Quellen:
¹ https://www.cbsnews.com/news/japans-palace-grounds-once-more-valuable-than-california/
² https://www.imf.org/external/datamapper/DEBT1@DEBT/OEMDC/ADVEC/WEOWORLD/USA
³ Melas, Briand, Urwin (2011), Har­vest­ing Risk Pre­mia with Strat­e­gy Indices – From Today’s Alpha to Tomorrow’s Beta
MSCI Bar­ra (2010), GDP Weight­ing in Asset Allo­ca­tion

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