Home is where your heart is“ – diese Weisheit mag in vie­len Lebensla­gen gel­ten, jedoch nicht bei Ihrer Ver­mö­gen­s­pla­nung. Denn spätestens seit der Begrün­dung der mod­er­nen Port­fo­lio­the­o­rie durch Har­ry S. Markowitz im Jahre 1952 sind die Vorzüge ein­er glob­alen Ver­mö­gens­di­ver­si­fika­tion weitre­ichend bekan­nt. Trotz dessen haben zahlre­iche Pri­vatan­leger noch immer ein deut­lich über­pro­por­tionales Gewicht in Ihren jew­eili­gen Heimat­märk­ten: Dieses Phänomen wird in der Finanzwis­senschaft als Home Bias beze­ich­net. Die Übergewich­tung der heimis­chen Kap­i­talmärk­te führt jedoch nicht nur zu ein­er höheren Port­fo­lio­volatil­ität, son­dern auch zu ver­passten Chan­cen auf den glob­alen Aktien­märk­ten.

Das Wichtig­ste in Kürze

  • Home Bias beschreibt die sys­tem­a­tis­che Übergewich­tung heimis­ch­er Anlageklassen in Port­fo­lios. Verur­sacht wird dieses Phänomen durch das Bedürf­nis in bekan­nte Märk­te zu investieren. Oft wer­den auch die ver­meintlich höheren Kosten bei der Investi­tion in aus­ländis­che Anlageklassen als Begrün­dung ange­führt.
  • Dieses Ver­hal­ten führt jedoch nicht nur zu ein­er hohen Risikokonzen­tra­tion in weni­gen Anlagetiteln, son­dern auch zu ver­passten Chan­cen auf den glob­alen Kap­i­talmärk­ten.
  • Robo-Advi­sor helfen Anlegern dieses ren­diteschädi­gende Ver­hal­ten zu ver­mei­den.

Insbesondere deutsche Anleger gewichten den heimischen Kapitalmarkt massiv über

Täglich prof­i­tieren wir von ein­er fortschre­i­t­en­den Glob­al­isierung: Wir starten unseren Tag mit einem Kaf­fee aus Kolumbi­en, über­prüfen unsere Mails aus Chi­na mit unserem Smart­phone aus den USA, tra­gen unseren Anzug aus Ital­ien und schlafen in unser­er Bet­twäsche aus Ägypten. Aber wenn es um unsere Finanzen geht, dann ver­trauen wir immer noch haupt­säch­lich auf den Erfolg der heimis­chen Unternehmen. Dieses über­mäßige Ver­trauen führt zum Home Bias in ein­er Vielzahl von Anlegerport­fo­lios.

Basierend auf den Dat­en der Forsch­er Bose, Mac­Don­ald und Tsoukas (2015) haben wir die Anlegerport­fo­lios inner­halb der größten Indus­trien­atio­nen anhand ihrer Port­fo­lioal­loka­tion auf eine Übergewich­tung des heimis­chen Kap­i­tal­mark­tes unter­sucht. Aus­gangspunkt war die prozen­tuale Gewich­tung des Brut­toin­land­spro­duk­tes der Län­der am glob­alen BIP, welche zu der tat­säch­lichen Gewich­tung des Heimat­mark­ts in den jew­eili­gen Port­fo­lios ins Ver­hält­nis geset­zt wurde. Daraus ergibt sich die prozen­tuale Übergewich­tung des Heimat­mark­ts pro Land – ein quan­ti­ta­tiv­er Indika­tor für den Home Bias.  

Das erschreck­ende Ergeb­nis: In jedem der fünf unter­sucht­en Indus­tri­es­taat­en find­en wir eine sig­nifikante Übergewich­tung des heimis­chen Kap­i­tal­mark­tes. Ins­beson­dere in Deutsch­land, Großbri­tan­nien und Frankre­ich liegt die Übergewich­tung beim 9-, 16- und 19-fachen der opti­malen Gewich­tung. Nur für die US-Inve­storen kon­nten wir eine weniger inef­fiziente Port­fo­lioal­loka­tion fest­stellen.

Was genau veranlasst Anleger auf der Welt gleichermaßen dazu einen Großteil ihrer Ersparnisse in den Heimatmarkt zu investieren?

Zahlre­iche Wis­senschaftler haben bere­its ver­sucht eine Antwort auf diese Frage zu find­en – wir brin­gen Licht ins Dunkel und geben einen Überblick über die anerkan­ntesten Erk­lärungsan­sätze.
Mit der Präferenz zahlre­ich­er Anleger in das Bekan­nte zu investieren, liefern Sen­di und Bel­lalah (2010) im Jour­nal of Finance einen zen­tralen Beitrag. Auf­grund der zunehmenden glob­alen Unsicher­heit­en über geopoli­tis­che Ereignisse, aufk­om­mende Han­delshemm­nisse und finanzpoli­tis­che Entschei­dun­gen ist es ver­ständlich, dass Anleger sich durch einen heimat- bezo­ge­nen Invest­ment­fokus vor glob­alen Risiken für ihr Port­fo­lio schützen wollen. Sie neigen dazu, die geografis­che Nähe mit einem ver­meintlichen Infor­ma­tionsvor­sprung hin­sichtliche zukün­ftiger Entwick­lun­gen zu verbinden. Doch mit dieser Anlages­trate­gie bewirken sie genau das Gegen­teil. Denn die heimis­chen Aktien­märk­te bieten eine sig­nifikant schlechtere Diver­si­fika­tion als ein glob­al gestreutes Port­fo­lio. Mit ein­er DAX Investi­tion par­tizip­ieren Anleger beispiel­sweise nur an der Entwick­lung von 30 der weltweit über 35.000 börsen­notierten Unternehmen. Zwar sind die DAX-Unternehmen über­durch­schnit­tlich stark in die glob­ale Wertschöp­fungs­kette inte­gri­ert, weisen jedoch trotz dessen eine hohe Kor­re­la­tion mit der gesamtwirtschaftlichen Entwick­lung des Heimat­mark­ts und deshalb hohe Konzen­tra­tionsrisiken auf. Eine alleinige Investi­tion in den DAX ist auch vor dem Hin­ter­grund der starken Indus­triefokussierung prob­lema­tisch: Mehr als ein Drit­tel des Indexw­ertes stammt aus der Auto­mo­bil- und Chemiebranche (Stand März 2018).

Ein weit­er­er oft aufge­führter Erk­lärungsver­such für den Home Bias Effekt kann unter dem Ober­be­griff externe Bar­ri­eren sub­sum­iert wer­den. Darunter fall­en vor allem insti­tu­tionelle und reg­u­la­torische Bar­ri­eren, wie z.B. zu hohe Transak­tion­skosten oder Kap­i­talverkehrskon­trollen. Doch bere­its die Ent­deck­er des Home Bias Effek­tes – French und Poter­ba (1991) – argu­men­tieren gegen diesen Erk­lärungsver­such. Durch die fortschre­i­t­ende Glob­al­isierung sind zahlre­iche dieser exter­nen Bar­ri­eren stetig zurück­ge­gan­gen und heute ist eine glob­ale Anlages­trate­gie gün­stiger und ein­fach­er umzuset­zen als je zuvor. Das liegt nicht nur an den gesunke­nen Transak­tion­skosten und Kap­i­talverkehrskon­trollen, son­dern auch an neuen Invest­ment­pro­duk­ten wie ETFs. Alleine die Investi­tion in den MSCI World Index bietet beispiel­sweise eine Streu­ung in über 1.600 Einzel­w­erte aus 23 Staat­en mit ein­er Mark­tkap­i­tal­isierung von mehr als €32 Bil­lio­nen.

 

Besitze den Heuhaufen und du musst nie wieder nach der Nadel suchen

Diese Erken­nt­nisse lassen darauf schließen, dass der Home Bias nicht alleine mit ratio­nalen Grün­den erk­lärt wer­den kann. Vielmehr spie­len psy­chol­o­gis­che Aspek­te eine zen­trale Rolle in der bevorzugten Auswahl heimis­ch­er Anla­gen. Die britis­chen Finanzwis­senschaftler Strong und Xu (1999) bestätigten diese Ver­mu­tung nicht nur für Pri­vatan­leger, son­dern auch für insti­tu­tionelle Inve­storen. In ein­er Befra­gung amerikanis­ch­er, europäis­ch­er und japanis­ch­er Fonds­man­ag­er zur erwarteten Entwick­lung der jew­eili­gen Heimat­märk­te kamen die Wis­senschaftler zu dem Ergeb­nis, dass auch pro­fes­sionelle Inve­storen die Per­for­mance des heimis­chen Kap­i­tal­mark­tes deut­lich opti­mistis­ch­er bew­erteten, als die der aus­ländis­chen Kap­i­talmärk­te. Basierend darauf investierte ein Großteil der befragten Asset Man­ag­er über­pro­por­tion­al in heimis­che Unternehmen.

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Wie können Privatinvestoren den Home Bias vermeiden, wenn noch nicht einmal professionelle Investoren immun zu sein scheinen?

Ein all­ge­me­ingültiger Ansatz zur Lösung dieses Prob­lems wurde bish­er noch nicht entwick­elt. Auf­grund der psy­chol­o­gis­chen Kom­po­nente scheint jedoch der Fak­tor Men­sch von zen­traler Bedeu­tung zu sein. Schal­ten man diesen Fak­tor in der Investi­tion­sentschei­dung weit­ge­hend aus, so die Hypothese, sollte daraus eine effizien­tere Port­fo­lioal­loka­tion resul­tieren. Hier­bei kön­nen ins­beson­dere dig­i­tale Ver­mö­gensver­wal­ter, wie Gin­mon, eine bedeu­tende Rolle spie­len. Neueste Forschungsergeb­nisse von Ben­jamin Loos (2017) bestäti­gen diese Annahme. So steigt durch einen Wech­sel der Anleger zu Robo-Advi­so­ry-Lösun­gen nicht nur die Effizienz der Port­fo­lios, son­dern auch die glob­ale Diver­si­fika­tion. Dadurch wer­den neben der emo­tionalen Kom­po­nente auch die ver­meintlich ratio­nalen Gründe für den Home Bias eli­m­iniert. Mit unser­er effizien­ten Port­fo­liover­wal­tung sind Sie bei ein­er Investi­tion in über 12.000 Unternehmen aus mehr als 100 Län­dern immer opti­mal investiert.
Lassen Sie sich bei Ihrer näch­sten Investi­tion also nicht mehr von Ihren Emo­tio­nen leit­en und ver­passen Sie so keine Chance mehr auf den glob­alen Kap­i­talmärk­ten.

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