Zweiein­halb Jahre nach der Verurteilung wegen Steuer­hin­terziehung wurde Uli Hoeneß zum Präsi­den­ten des FC Bay­ern wiedergewählt. Im Vere­in erhält er volle Rück­endeck­ung und hat als Man­ag­er seit über drei Jahrzehn­ten vieles Richtig gemacht. Wir zeigen Ihnen, welche Fehler Uli Hoeneß als Anleger am Kap­i­tal­markt gemacht hat — und was Sie daraus ler­nen kön­nen.

Worum geht’s?
  • Weshalb aktives Trad­ing keine zielführende Strate­gie ist — und warum es trotz­dem viele tun
  • Welche Schwierigkeit­en hin­ter ein­er zielführen­den, langfristi­gen Gel­dan­lage ste­hen
  • Was die Über­legen­heit ein­er Gel­dan­lage per Algo­rith­mus aus­macht

Eine weit­ere wichtige Frage mit der sich Paare sin­nvoller Weise auseinan­der­set­zen, ist die Frage nach Ver­mö­gen­sauf­bau und -pla­nung. Entschei­dun­gen über die Gel­dan­lage, die Vor­sorge für den gemein­samen Lebens­abend oder großen Investi­tio­nen auf dem Weg dahin, sind Meilen­steine des gemein­samen Lebens. Oft­mals wird hier­für das Mod­ell “Gemein­schafts­de­pot” in Betra­cht gezo­gen. Als Begrün­dung hört man oft, dass es ein­fach und unkom­pliziert ist. Set­zt man sich mit dem The­ma etwas inten­siv­er auseinan­der, wird schnell klar, dass dieser nachvol­lziehbare erste Ein­druck täuscht — und dass es eine gute Alter­na­tive gibt.

So manch ein­er kann sich die Sum­men nur schw­er vorstellen, mit denen ein Uli Hoeneß gezockt hat. Auch die Höhe der hin­ter­zo­ge­nen Steuern ist nur schw­er greif­bar: von mehr als 27 Mil­lio­nen Euro ist die Rede. Pure Gier, denken sich viele. Wenn man so reich ist, sollte es doch irgend­wann reichen, oder?

Ger­ade an der Börse gibt es zahllose Beispiele, die zeigen, dass dem nicht so ist. Die Sta­tis­tik zeigt: Men­schen, die ten­den­ziell über mehr freies Kap­i­tal ver­fü­gen, neigen ver­stärkt zu aktivem Trad­ing sowie zu Speku­la­tio­nen. Men­schen, bei denen man denkt: Mit einem langfristig aus­gelegten und prog­nose­freien Ansatz kön­nten sie sich zurück­lehnen und ein­fach ihr Leben genießen. Aber Traden ist ein Hob­by. Traden ist Adren­a­lin. Der Gedanke, mit einem richtig guten Geschäft noch schnell ein paar Tausender mehr zu machen oder die Ren­dite in die Höhe zu treiben, lässt einen doch nicht so schnell los.

Auf Foren und in Diskus­sio­nen mit erfahre­nen Kap­i­tal­mark­tan­legern, die prinzip­iell um die Über­legen­heit von prog­nose­freien Ansätzen wis­sen, zeigt sich: Es ist gar nicht so ein­fach, sein­er Strate­gie langfristig treu zu bleiben. Mehr noch; es ist sog­ar ver­dammt schw­er. Man liest zufäl­lig eine gute Analyse ein­er Aktie, erfährt von ein­er lukra­tiv­en Ein­stiegsmöglichkeit oder hört von einem erfahre­nen Bekan­nten, dass diese oder jene Aktie in den näch­sten Jahren ganz sich­er sehr gute Ren­diten abw­er­fen wird. Dann wird es schwierig zu wider­ste­hen. Ver­ständlicher­weise.

Die eigene Strategie ist immer Überlegen

Unter­suchun­gen zeigen jedoch, dass ger­ade diejeni­gen am schlecht­esten an der Börse abschnei­den, welche am häu­fig­sten traden. Auch wenn es Spaß machen kann, Ren­dite bringt es nicht.

So lange es jedoch gut läuft, die Börse einen fast kon­stan­ten Auf­schwung erlebt, find­et sich immer eine Gruppe selb­st­be­wusster Anleger, die davon überzeugt ist, über­legen zu sein. Und im übri­gen auch langfristig bess­er abzuschnei­den als der immer unwis­sende Rest. Mal ist es die über­legene Strate­gie, mal sind es einzelne “wirk­lich gute Werte”. Ein Ander­er hält die richtige Analy­setech­nik für entschei­dend — oder aber es ist der Guru, dessen Rat man befol­gt. Gründe, warum das eigene Anlagev­er­hal­ten über­legen ist, sind schnell gefun­den.

Die Finanzwissenschaften zeigen etwas anderes

Daneben ste­hen Anleger, welche die vielfach bestätigten finanzwis­senschaftlichen Erken­nt­nisse der let­zten Jahrzehnte anerken­nen und annehmen. Diese Anleger ver­suchen, eine langfristige und bre­it diver­si­fizierte Strate­gie zu wählen, wenige oder gar keine Trades zu machen und Investi­tio­nen lange zu hal­ten; der grundle­gen­den Strate­gie also möglichst lange zu fol­gen. Das ist im Prinzip auch sin­nvoll — und wis­senschaftlich belegt. Nur lei­der hört es sich viel ein­fach­er an, als es let­z­tendlich ist.

Men­schen sind nicht dafür geschaf­fen, über einen lan­gen Zeitraum kon­sis­tent ein­er Strate­gie zu fol­gen. Vor allem nicht, wenn es in ein­er Krise plöt­zlich um einen großen Teil des Ver­mö­gens geht und über­all ver­meintliche Experten aufwendig erk­lären, warum genau jet­zt der per­fek­te Zeit­punkt ist, von der gewählten Strate­gie abzuwe­ichen. Und sowieso nicht, wenn es um einen Zeitraum von mehreren Jahren geht.

Wir sind nicht dafür geschaffen, langfristig konsistent zu handeln

Denken Sie nur mal an die Entschei­dun­gen zurück, die Sie vor ein paar Jahren getrof­fen haben. Nicht an jede Entschei­dung, son­dern an die strate­gis­chen Entschei­dun­gen. Solche, bei denen es darum geht, sich ein Ziel zu set­zen und dann über Jahre hin­weg nicht aus den Augen zu ver­lieren.

Die Ziele haben sich geän­dert, oder? Damit hört es jedoch meist nicht auf: Oft­mals ändern sich die Strate­gien zum Erre­ichen dieser Ziele gle­ich mit.

Dass es uns all­ge­mein so schw­er fällt, langfristig kon­sis­tent zu han­deln, liegt nicht an indi­vidu­ellen Schwächen. Dafür ver­ant­wortlich sind zum einen sich ändernde Bedin­gun­gen. Zum anderen aber vor allem ver­schiedene kog­ni­tive und emo­tionale Fak­toren, die uns im All­t­ag zwar gute Dien­ste leis­ten, für langfristige Strate­gien aber nicht zuträglich sind.

  • Bestä­ti­gungs­fehler: Die Nei­gung, Infor­ma­tio­nen so auszuwählen und zu inter­pretieren, dass sie die eige­nen Erwartun­gen erfüllen.
  • Rückschaufehler: Die ver­fälschte Erin­nerung an eigene Vorher­sagen, die rück­blick­end bezüglich eines Ereigniss­es getrof­fen wur­den.
  • Her­den­trieb: Die Ten­denz im eige­nen Ver­hal­ten der Gruppe zu fol­gen — ins­beson­dere in Sit­u­a­tio­nen von Unsicher­heit.
  • Media Response: Die Ten­denz auf Medi­en und Experten­mei­n­un­gen zu reagieren, ohne sie ein­er umfan­gre­ichen Über­prü­fung zu unterziehen.

Effek­te dieser Art sor­gen dafür, dass wir die Fin­ger nicht von unser­er Investi­tion lassen kön­nen. Sie sor­gen dafür, dass wir immer das Gefühl haben, etwas tun zu müssen. Sie sor­gen dafür, dass ver­schieden­ste Experten­mei­n­un­gen einen starken Ein­fluss auf uns ausüben. Wie schw­er es fall­en kann, dem zu wider­ste­hen, zeigt ein­drucksvoll das Beispiel von Uli Hoeneß.

Viele dieser Fak­toren sind in Sit­u­a­tio­nen von großer Unsicher­heit beson­ders stark aus­geprägt. Auch wenn pro­fes­sionelle und sehr erfahrene Anleger nicht gegenüber solch­er Fak­toren immun sind, greifen sie stärk­er bei Pri­vatan­legern. Sie sind ein­er der wichtig­sten Gründe, warum Pri­vatan­leger so schlecht an der Börse abschnei­den — nach ein­er Studie von Black­Rock erre­ichen sie im Durch­schnitt ger­ade eine Ren­dite von knapp über 2% p.a.

Wenn Sie den größten Gefahren­herd für Ihre finanzielle Zukun­ft sehen wollen, gehen Sie nach Hause und schauen Sie in den Spiegel” schrieb auch Jonathan Clements, Redak­teur beim Wall Street Jour­nal und Finanzbuchau­tor.

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