Den eige­nen Ruh­e­s­tand pla­nen oder finanziell unab­hängig wer­den. Das sind Ziele, wie sie in der heuti­gen Zeit oft anzutr­e­f­fen sind. Banken ver­suchen daraus einen Prof­it zu gener­ieren. Teure, aktiv ver­wal­tete Fonds und Aktien­de­pots wer­den gerne verkauft, da die Pro­vi­sio­nen erstk­las­sig aus­fall­en. Doch ist es den meis­ten Pri­vatan­legern nicht möglich, die durch­schnit­tliche Mark­t­per­for­mance zu schla­gen. Selb­st pro­fes­sionelle Anlage­m­an­ag­er scheit­ern meis­tens an dieser Auf­gabe, zumin­d­est wenn es um die Net­toren­dite, also die Ren­dite abzüglich aller Kosten, für den Kun­den geht. Gerd Kom­mer liefert in seinem Buch, “Sou­verän investieren mit Index­fonds und ETFs”, einen Ansatz, der vor allem für Pri­vatan­leger sehr geeignet ist. Das Konzept ver­spricht die Mark­tren­dite bei min­i­malen Kosten abzu­bilden.

Die Strategie — eine Mischung der Risikoklassen

Bei der Entwick­lung dieser Strate­gie zog Gerd Kom­mer die his­torischen Dat­en unter­schiedlich­ster Wert­pa­piere zu Rate. Dabei ging er, je nach Exis­ten­z­dauer der Pro­duk­te, zwis­chen 20 und 120 Jahre in die Ver­gan­gen­heit. Er analysierte die durch­schnit­tlichen Ren­diten unter­schiedlich­er Pro­duk­te und Strate­gien, um diese mit einem pas­siv­en Invest­men­tansatz zu ver­gle­ichen und entwick­elte auf diese Weise eine Zeit und Kosten sparende Strate­gie mit gemindertem Risiko.

Der Anlageschw­er­punkt liegt bei pas­siv ver­wal­teten Fonds. Speziell han­delt es sich um Exchange Trad­ed Funds, kurz ETF, also börsen­ge­han­delte Index­fonds. Die Anlages­trate­gie nach Kom­mer sieht eine Zweit­eilung des Port­fo­lios in einen risiko­r­e­ichen und einen risikoar­men Teil vor, wobei die Gewich­tung von der eige­nen Risiko­tol­er­anz abhängig ist. Dabei ist nicht nur der Anlageschw­er­punkt auf ein möglichst pas­siv ver­wal­tetes Port­fo­lio rel­e­vant. Gerd Kom­mer set­zt darüber hin­aus auf ein soge­nan­ntes Welt­port­fo­lio zur Min­imierung von Gefahren der Aktien­märk­te. Er emp­fiehlt Wert­pa­piere aus möglichst vie­len Branchen und Natio­nen zu erwer­ben, um so gegen eventuelle Rückschläge einzel­ner Bestandteile der Weltwirtschaft geschätzt zu sein.

Inter­essierte Inve­storen ken­nen den Ansatz Kom­mers voraus­sichtlich als Buy-and-Hold-Ansatz. Wert­pa­piere sollen also gekauft und über den möglichst langjähri­gen Anlagezeitraum gehal­ten. Dieser Vor­satz ken­nt laut Gerd Kom­mer jedoch eine Ein­schränkung: Die Asset-Alloka­tion, also die Gewich­tung der Wert­pa­piere im eige­nen Port­fo­lio, soll regelmäßig kon­trol­liert und bei Bedarf nachjustiert wer­den, um eine gle­ich­mäßige Verteilung der Anlage­pro­duk­te auf den Welt­markt sicherzustellen. Das Ziel der Strate­gie ist dabei klar: möglichst hohe Ren­diten bei niedrigem Risiko.

Um ein Depot entsprechend der Anlages­trate­gie nach Kom­mer zu gestal­ten, muss der Anleger sich zunächst über fol­gende Punk­te im Klaren sein:

  • Die per­sön­liche Risikobere­itschaft: Je höher diese ist, desto höher kann der Aktien­an­teil gegenüber den Anlei­hen im eige­nen Depot aus­fall­en. Kom­mer selb­st emp­fiehlt eine Verteilung von 70 Prozent aktien­basiert­er Pro­duk­te und 30 Prozent Anlei­hen.
  • Die Asset Allo­ca­tion: Inve­storen soll­ten sich darüber im Klaren sein, auf welche Weise die per­sön­liche Anlagestruk­tur den Welt­markt wider­spiegeln soll. Wichtig ist hier­bei zu beacht­en, dass der gesamte Welt­markt, mit allen Branchen und Unternehmensgrößn in aus­re­ichen­der Posi­tion­s­größe im Depot vertreten ist.
  • Akzept­able Abwe­ichung von der Verteilung: Selb­stver­ständlich lässt sich das eigene Depot nicht in exakt der gewün­scht­en Aufteilung hal­ten, denn die Märk­te schwanken ständig. Da der hier vorgestellte Ansatz ein möglichst Pas­siv­er sein soll, wird eine max­i­male Akzep­tanz gegenüber Dif­feren­zen zum Wun­schanteil fest­gelegt. Wird dieser über- oder unter­schrit­ten, wer­den die entsprechen­den Posi­tio­nen umgeschichtet bzw. angepasst.

Sind diese Punk­te gek­lärt, wer­den Exchange Trad­ed Funds, passend zu den einzel­nen Anlageschw­er­punk­ten gesucht und diese in ein Wert­pa­pierde­pot eingekauft. Die Band­bre­ite der Welt­port­fo­lios nach Kom­mer reicht dabei sehr weit. Von der ein­fachen Kom­bi­na­tion aus je einem Pro­dukt mit Schw­er­punkt auf Schwellen­län­dern und glob­aler Mark­ten­twick­lung mit Risiko­re­duk­tion durch deutsche Staat­san­lei­hen, bis hin zu Depots mit Dutzen­den Anlage­pro­duk­ten, lässt sich vieles real­isieren. Dadurch ist diese Strate­gie auch für nahezu jeden Anleger umset­zbar.

Risikoreiche Anlageprodukte: Was sind Exchange Traded Funds?

Diese Frage soll natür­lich beant­wortet wer­den. Es han­delt sich hier­bei um einen Index­fond, dessen Ver­wal­tung pas­siv erfol­gt. Im Gegen­satz zu aktiv gem­anagten Fonds wird kein Team von Ver­wal­tern benötigt, welche auf Mark­t­geschehnisse reagieren und ver­suchen das opti­male Ergeb­nis zu erre­ichen. Das Pro­dukt bildet lediglich den Markt und dessen Entwick­lung direkt ab und wird nur dann geän­dert, wenn sich der Ver­gle­ichsin­dex ändert. Beispiel­sweise ändert sich ein solch­es Anlage­pro­dukt, wenn ein Unternehmen den DAX ver­lässt und stattdessen ein neues Unternehmen dem Deutschen Aktien Index beitritt. Die Vorteile sind dabei die fol­gen­den:

  • Niedrigere Ver­wal­tungs­ge­bühren: Während pas­siv ver­wal­tete Anlageange­bote meist mit jährlichen Kosten weit unter einem Prozent aufwarten, schla­gen die aktiv­en Alter­na­tiv­en meist gerne mit über einem Prozent zu Buche. Bei ein­er ein­ma­li­gen Anlage von 10.000 Euro und ein­er acht prozenti­gen jährlichen Ren­dite, steigt der Depotwert, bei jährlichen Gebühren in Höhe von 0,3 Prozent, im Ver­lauf von 25 Jahren auf 63.884 Euro an, während das aktive Ange­bot bei 1,0 Prozent jährlichen Abzü­gen auf 54.274 Euro End­stand aufweist. Die Dif­ferenz sind sozusagen Ver­wal­tungs­ge­bühren.
  • Geringes Risiko: Im Gegen­satz zu Einze­lak­tien wird das Geld beim investieren in ETF auf sehr viele oft tausende Unternehmen gestreut. Das Aus­fall­risiko ist dementsprechend prak­tisch aus­geschlossen.
  • Zeit­erspar­nis: Kom­plett ohne jährliche Gebühren ist dage­gen das aktive Investieren in einzelne Aktien. Dabei wird allerd­ings ein hoher Zeitaufwand für die Analyse der einzel­nen Wert­pa­piere nötig und der Erfolg beim investieren in Einze­lak­tien ist fraglich.
  • Bessere Ren­dite: Durch­schnit­tlich erre­ichen wed­er Pri­vatan­leger noch Fonds­man­ag­er über­durch­schnit­tliche Net­toren­diten. Die exak­te Spiegelung des Mark­tes gibt pas­siv­en Pro­duk­ten jedoch genau diese Stärke. Zwar wer­den im Fall eines Zusam­men­bruchs der Welt­börsen zwar auch die Ver­luste verze­ich­net, jedoch ist die his­torische Ren­dite trotz teils drastis­ch­er Kursrück­gänge stets pos­i­tiv geblieben.

Risikofreie Anlageprodukte: Was sind Staatsanleihen?

Dabei han­delt es sich um Anlage­pro­duk­te, welche von Staat­en zur Eigen­fi­nanzierung aus­gegeben wer­den. Der Investor lei­ht einem Staat sein Kap­i­tal und erhält dafür regelmäßige Zin­szahlun­gen und abschließend den investierten Geld­be­trag zurück. Wer die Gerd Kom­mer Strate­gie nutzen und sou­verän investieren will, sollte sich über die Vorteile von Staat­san­lei­hen im klaren sein:

  • Sta­bile Zin­szahlun­gen: Zwar sind die Zin­sen von Staat­san­lei­hen meist rel­a­tiv ger­ing, doch wer­den Tages­geld- und Fest­geld­kon­ten zumeist über­boten. Zudem sind die Zin­szahlun­gen kon­stant und unter­liegen keinen Mark­tschwankun­gen.
  • Hohe Sicher­heit: Staat­en gehen sel­ten pleite, zumin­d­est weit weniger häu­fig als Unternehmen. Der deutsche Staat beispiel­sweise war seit dem Wieder­auf­bau Mitte des let­zten Jahrhun­derts stets in der Lage seine Schulden und Zin­sen pünk­tlich zu bedi­enen.
  • Niedriger Zeitaufwand: Der Ankauf von Staat­san­lei­hen ist ver­gle­ich­sweise schnell abgewick­elt und das Ange­bot eines Lan­des ist rel­a­tiv über­schaubar. Entsprechend wird für dieses Anlage­pro­dukt wenig Zeit in Anspruch genom­men.

Gerd Kom­mer set­zt dabei haupt­säch­lich auf Staat­san­lei­hen in eigen­er Währung, um so das Währungsrisiko aus­ländis­ch­er Papiere zu umge­hen. Damit ist gemeint, dass im Falle ein­er Ver­schiebung des Wech­selkurs­es das Risiko einen gerin­geren Betrag der eige­nen Währung als erwartet her­auszubekom­men umgan­gen wird. Darüber hin­aus rät er zu Anlei­hen mit kurzen Laufzeit­en. Das hat den Vorteil, dass eventuelle Zin­sanstiege nicht langfristig am eige­nen Kap­i­tal vor­bei gehen.

Vorteile der Gerd Kommer Strategie gegenüber anderen Anlagekonzepten

Die Anlages­trate­gie nach Kom­mer in Form eines Welt­port­fo­lios ist die einzige Anlages­trate­gie am Kap­i­tal­markt die sta­tis­tisch wie wis­senschaftlich belegt ist. Dementsprechend hat diese Strate­gie einige Stärken, die sie gegenüber anderen Möglichkeit­en abgren­zt. Pas­sives Investieren stellte sich als die geeignete Strate­gie für einen Großteil der Inve­storen her­aus, da ein solch­er Ansatz im his­torischen Ver­gle­ich gegenüber den meis­ten Anlage­for­men bessere Ren­diten aufweist. Die niedri­gen Chan­cen den Markt auf eigene Faust zu schla­gen begrün­det er dabei rel­a­tiv sim­pel. Der Markt ist die Ansamm­lung aller in Wert­pa­piere investierten Gelder. Das führt dazu, dass durch­schnit­tlich 50 Prozent jew­eils über und unter der entsprechen­den Mark­tren­dite eines Jahres liegen. Dadurch wird deut­lich, dass die Hälfte der Entschei­dun­gen an der Börse poten­zielle Fehler sind und das kann auch die Fonds­man­ag­er tre­f­fen.

Allerd­ings ver­lieren aktiv ver­wal­tete Fonds selb­st dann, wenn Sie durch bis zu den jährlichen prozen­tualen Ver­wal­tungskosten über der Mark­tren­dite liegen aus Pri­vatan­legersicht, da sich deren Net­toren­dite aus der Fond­sren­dite abzüglich der jährlichen Kosten ergibt. Entsprechend schnei­det ein beachtlich­er Teil der Fonds, welche den Markt eigentlich übertrumpfen, aus Sicht der pri­vat­en Inve­storen schlechter ab, was dazu führt, dass weit mehr als 50 Prozent dieser Fonds schlechter als der Ver­gle­ichsin­dex abschließen.

Demge­genüber fehlt es Pri­vat­per­so­n­en, deren Haupter­werb nicht an der Börse stat­tfind­et, zumeist an der nöti­gen Exper­tise, um gute Ergeb­nisse im All­t­ag der Wert­pa­pier­börsen zu erzie­len. So manch­er Anleger hat sich schon über sein erstes Börsen­jahr mit zweis­tel­li­gen prozen­tualen Gewin­nen und über­durch­schnit­tlichem Gesamtergeb­nis gefreut und nach dem zweit­en Jahr mit hohen Ver­lus­ten frus­tri­ert die Flinte ins Korn gewor­fen.

Es bleibt festzuhal­ten: Nur sel­ten schaf­fen es sowohl pro­fes­sionelle Fonds­man­ag­er, als auch Pri­vat­per­so­n­en, bess­er abzuschnei­den als ein pas­siv­er Invest­men­tansatz mit Exchange Trad­ed Funds.

Die Beimis­chung von Staat­san­lei­hen zum Welt­port­fo­lio ermöglicht es, beim pas­siv­en Investieren nach Gerd Kom­mer, Schwankun­gen an den Märk­ten zu reduzieren und dadurch das Ver­lus­trisiko weit­er zu senken. Diesen Vorteil bietet nahezu kein aktiv ver­wal­tetes Pro­dukt und in Eigen­regie wird dadurch zusät­zliche Arbeit zum anson­sten schon aufwendi­gen Invest­ment­prozess fäl­lig.

Warum empfiehlt die Hausbank diese Produkte nicht

Einige Leser fra­gen sich nun sicher­lich, warum die Bank des Ver­trauens, mit der man seit Jahren zufrieden ist, bish­er kein pas­sives Invest­ment emp­fohlen haben und stattdessen lieber auf aktive Anlage­pro­duk­te ver­weisen. Die Erk­lärung ist dabei so ein­fach wie ein­leuch­t­end: Die niedrigeren Kosten der ETFs kom­men zum einen durch den wesentlich gerin­geren Ver­wal­tungsaufwand zus­tande, aber auch durch die bedeu­tend niedrigeren Pro­vi­sio­nen und eben dieser Aufwand ist das Tages­geschäft viel­er Banken. Dementsprechend ver­di­enen Banken am Verkauf von solchen Anlage­pro­duk­ten beträchtlich weniger, als an aktiv­en Alter­na­tiv­en. Darüber hin­aus bieten die meis­ten Banken eigene aktive Ange­bote, welche natür­lich vor­rangig verkauft wer­den sollen, um das eigene Haus zu stärken.

Abschließende Bemerkung

Es wurde deut­lich, dass ein pas­siv­er Ansatz, basieren auf Exchange Trad­ed Funds und Anlei­hen nach den Ansätzen Gerd Kom­mers, für Pri­vat­per­so­n­en den Ange­boten von Fonds mit aktivem Man­age­ment und der eige­nen Investi­tion in Einzelti­tel aus mehreren Grün­den über­legen ist:

  • Höhere Ren­ditechan­cen durch niedrige Kosten und Ver­mei­dung von Fehlentschei­dun­gen
  • Min­imierung der Risiken durch bre­ite Streu­ung und Anlei­hen
  • Direk­tes Par­tizip­ieren an Mark­ten­twick­lun­gen anstatt häu­fig uner­füll­ter Hoff­nun­gen auf das große Glück

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