Rebal­anc­ing und antizyk­lis­ches Invest­ment kön­nen zur Ren­dite Ihres Port­fo­lios beitra­gen. Fast wichtiger ist aber, dass sie kor­rekt angewen­det ein wirk­sames Mit­tel für das Risiko­man­age­ment Ihrer Gel­dan­lage darstellen.

Die Wiederherstellung Ihrer Strategie

Unter Rebal­anc­ing ver­ste­ht man das Wieder­her­stellen der strate­gisch gewählten Port­fo­liostruk­tur. Die Zusam­menset­zung des Port­fo­lios wird sich über die Zeit zwangsläu­fig ändern, wenn sich die ver­schiede­nen Anlageklassen unter­schiedlich entwick­eln. Zum Beispiel wenn der Wert der Aktien im Port­fo­lio um 10% steigt, die Anlei­hen in ihrem Wert aber gle­ich bleiben. Damit ändert sich auch die Struk­tur des Risikos für den Anleger.
Durch Rebal­anc­ing in Form von Zu- und Verkäufen wird nun die ursprüngliche Strate­gie wieder­hergestellt.

Tat­säch­lich find­et Rebal­anc­ing unter anderem auch inner­halb der einzel­nen Anlageklassen statt und ist damit deut­lich kom­plex­er als in der Grafik.

Der Mehrwert von Rebalancing

Der wesentliche Vorteil des Rebal­anc­ing liegt in der Wieder­her­stel­lung der ursprünglichen Port­fo­liostruk­tur.
Langfristig ist es wahrschein­lich, dass risiko­r­e­ichere Anlageklassen eine höhere Ren­dite erwirtschaften als risikoärmere Anlageklassen. Damit steigt langfristig auch der Wert und daher auch der Anteil der risiko­r­e­ichen Anlageklassen im Port­fo­lio. Durch das Rebal­anc­ing wird das dadurch gestiegene Risiko wieder angeglichen.
Stellen Sie sich vor, die Aktien in Ihrem Port­fo­lio sind im Vor­lauf der let­zten Finanzkrise auf­grund der guten wirtschaftlichen Entwick­lung kon­tinuier­lich angestiegen. Ursprünglich hat­ten Sie eine mod­er­ate Risikok­lasse gewählt, aber als dann der Höhep­unkt der pos­i­tiv­en Entwick­lung kurz vor dem Crash erre­icht wurde, ist der Aktien­an­teil Ihres Port­fo­lios sehr stark gestiegen. Daraus wären Ihnen in der Krise große Ver­luste ent­standen, die Sie eigentlich mit ein­er mod­er­at­en Strate­gie ver­mei­den woll­ten. Rebal­anc­ing ver­mei­det dieses Prob­lem durch die laufende Opti­mierung des Port­fo­lios gemäß ihres Risiko­pro­fils.
Darüber hin­aus führt Rebal­anc­ing inner­halb ein­er Assetk­lasse nach­weis­lich zu ein­er Verbesserung der Port­fo­lioren­dite um ca. einen hal­ben Prozentpunkt.¹ Dieser soge­nan­nte Rebal­anc­ing Bonus führt bei einem Anlagezeitraum von 35 Jahren zu ein­er Erhöhung des Ver­mö­gensendw­ertes um 20%!

Betrügen Sie sich nicht selbst

Rebal­anc­ing darf kein ver­steck­ter Ver­such von Mar­ket Tim­ing sein. Es ist wis­senschaftlich erwiesen, dass es keine Methodik gibt, den richti­gen Ein- oder Ausstiegszeit­punkt ver­lässlich festzustellen.Pas­sives Investieren
Stattdessen sollte Rebal­anc­ing ein­er fest definierten Regel fol­gen und automa­tisch aus­ge­führt wer­den. Es kann zum Beispiel ein bes­timmter Zeit­punkt fest­gelegt wer­den an dem das Rebal­anc­ing durchge­führt wird. Oder aber eine soge­nan­nte Band-Regel: Die Umschich­tung find­et immer dann statt, wenn eine Assetk­lasse ihren ursprünglich fest­gelegten Port­fo­lio Anteil um beispiel­sweise 15% über- oder unter­schre­it­et.

Smart Rebalancing: Minimieren Sie Ihre Kosten

Bei Rebal­anc­ing durch Käufe und Verkäufe entste­hen Transak­tion­skosten. Eben­so wer­den durch den Verkauf von Aktien Steuern auf Kap­i­talerträge fäl­lig. Eine Rebal­anc­ingstrate­gie muss daher immer die Vorteile durch das Rebal­anc­ing gegen die Nachteile abwä­gen, die aus Steuern und Transak­tion­skosten entste­hen.
Sin­nvoll ist daher ein voll­ständi­ges Rebal­anc­ing bei ein­er Abwe­ichung der Port­fo­liostruk­tur von 10 % der Zielal­loka­tion. Damit kann das Port­fo­lio noch von dem soge­nan­nten “Momen­tum Effekt” prof­i­tieren. Nach diesem Effekt scheinen Aktien sich im Ver­lauf von 3 — 12 Monat­en ten­den­tiell in eine gle­ich­bleibende Rich­tung zu entwick­eln.
Darüber hin­aus wer­den Steuern und Transak­tion­skosten min­i­mal gehal­ten.
Das Rebal­anc­ing sollte im besten Fall nicht aus Käufen oder Verkäufen erfol­gen, son­dern aus neu einge­bracht­en Mit­teln. Auch dieses Vorge­hen zielt darauf ab, die Transak­tion­skosten zu min­imieren.

Antizyklisches Investment: Schwimmen Sie gegen den Strom.

Kaufen, wenn die Kanonen don­nern, verkaufen, wenn die Vio­li­nen spie­len” — Carl May­er von Roth­schild

Antizyk­lis­che Strate­gien ver­suchen gegen den Strom zu schwim­men. Sie kaufen, wenn die Preise fall­en und zu verkaufen wenn die Preise steigen. Antizyk­lis­che Strate­gien kön­nen zu ein­er Ren­ditesteigerung und Risiko­re­duk­tion beitra­gen.

Das Ausnutzen der Regression zum Mittelwert

Wie kön­nen Sie sich­er fest­stellen, ob Aktienkurse vor einem Auf­schwung oder einem Fall ste­hen? Sie kön­nen es nicht. Nie­mand kann es. Auch nicht die Experten.” — Zvie Bod­ie (Pro­fes­sor für Finance an der Boston Uni­ver­si­ty)

Antizyk­lis­ches Invest­ment darf nicht die Suche nach dem per­fek­ten Ein- oder Ausstiegszeit­punkt sein (der nicht ver­lässlich vorherge­sagt wer­den kann) — stattdessen sollte sich das Invest­ment auf die Regres­sion zum Mit­tel­w­ert ver­lassen. Aktien­ren­diten tendieren zu einem langfristi­gen Mit­tel­w­ert. Auf eine gute Peri­ode fol­gt mit ein­er hohen Wahrschein­lichkeit eine schlechte Peri­ode und umgekehrt. Diese Ten­denz lässt sich mit ein­er sys­tem­a­tisch antizyk­lis­chen Strate­gie aus­nutzen.

Schwer durchzuhalten? Nicht für mich!

Das größte Prob­lem der Anleger und ihr schlimm­ster Feind sind sie selb­st” — Ben­jamin Gra­ham (Leg­endär­er Investor und Men­tor War­ren Buf­fets)

Psy­chol­o­gisch ist ein antizyk­lis­ches Invest­ment anspruchsvoll — sehr anspruchsvoll. Die nach­weis­lich richtige Strate­gie über Jahre beizube­hal­ten, Emo­tio­nen kom­plett auszublenden, ist wahrschein­lich das meist unter­schätzte Prob­lem der Gel­dan­lage. Antizyk­lisch zu investieren, sich also anders zu ver­hal­ten als alle anderen gehört dabei zu den schwierig­sten Anlages­trate­gien. Wenn alle anderen Anleger eupho­risch Geld anle­gen, vielle­icht von einem Boom sprechen, desin­vestiert der Antizyk­lik­er. Er kauft Ver­lier­er und verkauft seine Gewin­ner.
Um eine solche Strate­gie langfristig durchzuhal­ten müssen strik­te Kri­te­rien fest­gelegt wer­den und Entschei­dun­gen automa­tisch — frei von Emo­tio­nen — aus­ge­führt wer­den.

Sparen mit Plan. Die Vorteile eines antizyklischen Sparplans

Mit einem Spar­plan kann man die pos­i­tiv­en Effek­te eines antizyk­lis­chen Invest­ments erre­ichen — Ren­ditesteigerung und Risiko­re­duk­tion — und gle­ichzeit­ig die emo­tionalen Fall­stricke umge­hen.
Die regelmäßig eingezahlten Beträge wer­den in steigen­den Märk­ten ver­mehrt in Anlei­hen investiert und in fal­l­en­den Märk­ten ver­mehrt in Aktien. Das bedeutet ten­den­tiell gün­stig kaufen und teuer verkaufen. Damit par­tizip­iert man stärk­er an Kurs­er­hol­un­gen und lei­det weniger unter Kursab­stürzen.
Dadurch, dass das antizyk­lis­che Invest­ment aus neu einge­bracht­en Mit­teln erfol­gt, ver­mei­det man mit einem Spar­plan renditeschmälernde Transak­tion­skosten und Steuer­nachteile.
Das Poten­tial für die Risiko­re­duk­tion und die Ren­ditesteigerung ist dabei umso größer, je höher die Spar­rate rel­a­tiv zu dem investierten Betrag ist.

Welcher Anlegertyp sind Sie?

1. Kom­mer, Gerd (2015): Sou­verän Investieren mit Index­fonds & ETFs. Cam­pus Ver­lag, Frank­furt am Main.