Markteffizienzhypothese: Hat der Markt immer recht?

Eine wesentliche Grundlage einer erfolgreichen Anlagestrategie ist folgende: Die Kurse von Wertpapieren in wettbewerbsfähigen Finanzmärkten spiegeln die kollektive Beurteilung von Millionen von rationalen Anlegern wider. Daher lassen sich durch aktive Anlagestrategien keine systematischen Überrenditen erzielen. Mit dem heutigen Beitrag möchten wir diese Idee näher erläutern.


Worum geht’s?

  • Was ist die Markteffizienzhypothese?
  • Wer weiß den fairen Preis?
  • Was bedeutet das für einen Privatanleger im effizienten Markt?

Markteffizienzhypothese

Die Markteffizienzhypothese wurde 1970 vom US-amerikanischen Wissenschaftler Prof. Eugene Fama formuliert. Das Nobelpreiskomitee hat diese in der Preisverleihung an Eugene Fama 2013 explizit angeführt. Die Kernaussage der Markteffizienzhypothese ist, dass alle auf den Finanzmärkten vorhandenen, preis-relevanten Informationen bereits im Marktpreis enthalten sind.

Ist der Preis richtig?

Der sich als Ergebnis aller individuellen Informationsanalyse- und Handelsaktivitäten ergebende Konsenspreis spiegelt im Endeffekt die wertgewichtete, gemeinsame Haltung der Marktteilnehmer wider. Der Marktpreis ist somit der bestmögliche Schätzer des fundamentalen Wertes eines Vermögensgegenstandes. Mögliche Informationen, die in der Zukunft zu Veränderungen des Preises führen könnten, sind momentan unbekannt. Ansonsten hätte diese kollektive Intelligenz sie bereits im Preis berücksichtigt. Das schließt nicht aus, dass es einzelnen Marktteilnehmern gelingt, hier und da eine genauere Schätzung der Wertentwicklung abzugeben. Es ist nur fast unmöglich dies langfristig und wiederholt zu schaffen.

3 Arten der Markteffizienz

Es wird zwischen 3 Effizienzniveaus der Markteffizienzhypothese unterschieden:

  • Schwache: Auf Grundlage der historischen Kursentwicklung kann kein dauerhafter Gewinn erzielt werden, da diese Informationen schon durch Marktteilnehmer verarbeitet wurden.
  • Mittelstarke: Alle öffentlich verfügbaren Informationen z.B. Nachrichten, Analysen etc. bringen keine Vorteile für individuelle Anleger, da sie bereits im Kurs enthalten sind.
  • Starke: Selbst Insider-Informationen bringen keine Vorteile für das Erzielen einer Überrendite.

Keiner weiß mehr als das Kollektiv des Marktes

Da der aktuelle Marktpreis am besten die korrekte Bewertung eines Assets widerspiegelt, ist es Investoren nicht möglich durch Vorhersagen systematisch eine Überrendite zu erzielen. Aktienpreise folgen einem sogenannten „Random Walk with Drift“. Random Walk meint hier, dass sie nicht prognostizierbar sind. Die Drift Komponente reflektiert, dass die Märkte langfristig einem Aufwärtstrend folgen.

In einem effizienten Markt ist eine aktive Strategie immer auch eine Wette gegen den Marktkonsens. Der Versuch durch das Prognostizieren der Wertentwicklung Überrenditen zu erwirtschaften ist wenig mehr als ein Glücksspiel. Auf lange Sicht gelingt dies nachweislich auch professionellen Marktteilnehmern wie z.B. aktiv verwalteten Investmentfonds, meist nicht. (Beispielsweise titelt die Financial Times 2016, dass 99% der aktiv gemanagten, amerikanischen Aktienfonds vom Marktindex geschlagen werden). Darüber hinaus wechselt die Zusammensetzung der Gruppe, denen es gelingt den Markt zu schlagen, ständig. Dies verdeutlicht nochmals die Unwahrscheinlichkeit, den Markt langfristig zu schlagen.

Keine Hypothese ist perfekt –Ausnutzung der Ineffizienzen macht die Märkte effizienter

Natürlich gibt es auch Kritik an der Markteffizienzhypothese. An ihr hat sich die vielleicht bedeutendste Debatte in der Finanzwissenschaft der vergangenen fünfzig Jahre entfaltet. Die Wissenschaftler haben sich grundsätzlich darauf geeinigt, dass die Finanzmärkte näherungsweise effizient sind (s.g. „near-efficiency“).

Das Grossmann-Stiglitz Paradox z.B. besagt, dass die Märkte nicht perfekt effizient sein können, weil die Marktteilnehmer dann nicht motiviert sind, die Ineffizienzen zu identifizieren und diese zu beseitigen. Es braucht Zeit, Ressourcen und finanzielle Anreize um die neuen Informationen zu suchen, zu analysieren, zu bewerten und die Preise auf dem Markt entsprechend neuen Vorstellungen anzupassen. Die aktiven Investmentstrategien, die versuchen Ineffizienzen auszunutzen, spielen somit eine wichtige Rolle darin Märkte effizienter zu machen.

Der unter einem Pseudonym schreibende Finanzexperte Jesse Livermore behauptet sogar, dass passive Investoren die Markteffizienz erhöhen. Was zuerst kontraintuitiv klingt, macht auf den zweiten Blick jedoch Sinn. Anstatt uninformierte Investmententscheidungen zu treffen oder konsequent unterdurchschnittlich rentable aktive Fonds zu nutzen, investieren Anleger über ETFs kostengünstig in den Markt. Für sie also eine überlegene Option. Und es werden unerfahrene, uninformierte Aktionen aus dem Markt entfernt. Auf diese Weise erhöht sich das durchschnittliche Qualifikationsniveau des aktiven Segments des Marktes. Dadurch wird der Markt effizienter und schwieriger zu schlagen.

Bedeutet das einen „free lunch“ für private Anleger? Im effizienten Markt kann der langfristige private Anleger von der Arbeit zahlreicher Teilnehmer profitieren, ohne die Kosten für die Beseitigung der scheinbaren Ineffizienzen zu tragen, oder Gefahr zu laufen durch ungeschicktes Verhalten selbst Ursache dieser Ineffizienzen zu werden. Für jede Überrendite muss es schließlich auch eine Unterrendite geben. Mit einer prognosefreien langfristigen Strategie vermeidet man, selbst der Grund für die Überrendite Anderer zu sein - von Anderen ausgenutzt zu werden.

Fazit

„…Anleger sollten unserer Ansicht nach daraus lernen, dass man nicht gegen den Markt ankämpfen, sondern vielmehr eine Investmentstrategie verfolgen sollte, die effizient und erfolgreich die außergewöhnliche kollektive Intelligenz der Marktpreise nutzt“ (Dimensional Fund Advisors, November 2016).

Darüber, wie effizient die Märkte sind und welches der Effizienzniveaus der Markteffizienzhypothese zutrifft, kann lange diskutiert werden. Die wichtigste, für den Privatanleger praktische Schlussfolgerung ist, dass langfristig konsistente Überrenditen durch aktive Strategien höchst unwahrscheinlich sind.
Selbst wenn Preise nicht immer vollständig korrekt sind, wäre der individuelle Privatanleger (und sogar die meisten Profis) unter Berücksichtigung aller Kosten und Risiken nicht in der Lage systematisch davon zu profitieren.
Mithilfe von ETFs lassen sich sowohl gesamte Indizes als auch einzelne Märkte replizieren. Das ermöglicht eine breite Diversifikation und das Ausnutzen der einzigartigen kollektiven Intelligenz der Märkte (mehr dazu hier). Mit Ginmon können Sie kostengünstig den gesamten Weltmarkt abbilden: mehr als 10.000 Aktien aus über 47 Ländern. Ein Portfolio aus ständig überwachten und optimal aufeinander abgestimmten Anlagebausteinen ermöglicht einen einfachen und effizienten Vermögensaufbau. Und das Ausnutzen einer der wichtigsten Erkenntnisse der Finanzwissenschaften der letzten 50 Jahre: die kollektive Intelligenz der Märkte.


Welcher Anlegertyp sind Sie?


Anlegertyp ermitteln