Ein Sprung ins kalte Wasser - Warum Sie langfristig investieren sollten.

Sie haben mit Sicherheit schon einmal ein Kind beobachtet, das hin- und hergerissen am Schwimmbeckenrand steht und sich nicht entscheiden kann, ob es zu den anderen ins Wasser springen oder doch lieber draußen im Trockenen bleiben soll. Bei Investmententscheidungen verhalten sich Anleger oftmals ganz ähnlich.

Sie können immer einen Grund finden, um nicht zu investieren. „Vielleicht sollte ich warten, bis die Zinsen steigen?“, ist oftmals eine Überlegung. „Vielleicht sollte ich lieber doch noch warten, bis sich der Markt in China wieder stabilisiert hat? Oder sollte ich mit meiner Entscheidung noch warten, bis die aktuellsten Unternehmensberichte veröffentlicht werden?“

Oftmals sind Gefühle und Vermutungen der Grund für diese Unentschlossenheit, wie etwa die Angst, „einen Fehler zu begehen“ oder Entscheidungen zum „falschen Zeitpunkt“ zu treffen und anschließend zu bereuen. Dahinter liegt oft die Annahme, dass es den perfekten Zeitpunkt für Investments gibt.

Die ideale Lösung würde dann natürlich darin bestehen, in den Markt einzusteigen, wenn dieser auf seinen Tiefpunkt gefallen ist, und wieder aus dem Markt auszusteigen, wenn er seinen Höchststand erreicht hat.

In der Realität ist das richtige Timing von Marktein- und -ausstiegen jedoch nahezu unmöglich. Wäre es so einfach, würden Millionen von Anlegern auf diese Weise sehr reich werden. Doch die Einzigen, die mit Markttiming konsequent Geld verdienen, sind diejenigen Autoren, die Bücher zu diesem Thema schreiben.

Doch auch Finanzmedien lieben Markttiming-Geschichten. Zum einen kann immer ein bestimmtes Ereignis oder eine Variable als Aufhänger verwendet werden, wie etwa die letzte Zinsentscheidung, die bevorstehende Bekanntgabe von Unternehmensergebnissen oder die Analyse einer bestimmten Kennzahl. Zum anderen übt die Vorstellung, den Markt genau timen zu können, einen großen Reiz auf Leser aus und erregt dadurch meist ihre Aufmerksamkeit.

Beispielsweise sagte Anfang 2012 ein namhafter US-Prognostiker einen Aktienmarktrückgang von 50 - 70% für die folgenden zwei bis drei Jahre voraus. Ihm zufolge sollten sich die Krise von 2008 - 2009 wiederholen, jedoch gefolgt von einer noch stärkeren Rezession.

Diese Vorhersage hat sich allerdings sehr bald als falsch erwiesen. Gemessen am MSCI World Index erzielten die weltweiten Aktienmärkte von Ende 2011 bis Ende 2014 einen positiven Gesamtgewinn von 93% in australischen Dollar, 53% in US-Dollar und 65% in Euro.

Es gibt allerdings noch andere und weitaus aufwendigere Timingstrategien. Beispielsweise wurde vor Kurzem in einem wissenschaftlichen Artikel behauptet, dass der Aktienmarkt bessere Gewinne im Verhältnis zu Anleihen in der jeweils zweiten, vierten und sechsten Woche nach einer Sitzung der US-Notenbank liefert, in denen die Politik für ein bestimmtes Jahr festgelegt wird.

Die Idee dahinter ist, dass die US-Notenbank Informationen über ihre zukünftigen Zinssatzpläne in einem vorhersehbaren Muster an die Öffentlichkeit durchsickern lässt, sodass clevere Investoren auch ohne konkrete Informationen Geld verdienen können, indem sie Aktien nur in bestimmten Zeiträumen kaufen.

Diese Theorien mögen eine gewisse Faszination ausüben. Fraglich ist allerdings, wie viele von uns die Zeit oder auch die Lust haben, sie auch auszuprobieren. Selbst wenn wir es versuchen würden, werden in den Theorien die Kosten aller erforderlichen Transaktionen nicht berücksichtigt oder aber die Möglichkeit, dass viele andere Investoren auf den gleichen Zug aufspringen und damit die Arbitragemöglichkeit wieder vernichten.

Vor einer Sitzung der US-Zentralbank werden daher viele potenzielle Anleger unruhig und überlegen, ob sie mit ihren Investmententscheidungen noch warten sollen, bis sie sehen, wie der Markt reagiert. Andere Anleger, die bereits investiert haben, machen sich oftmals Sorgen darüber, ob sie ihr Geld nicht lieber wieder aus dem Markt nehmen sollen.

In Wirklichkeit sollten diese Probleme für langfristige Anleger irrelevant sein. Entscheidend ist die Struktur eines Portfolios und wie dieses im Verhältnis zu den persönlichen Zielen des Investors abschneidet. Am Finanzmarkt wird es immer Höhen und Tiefen geben und Wertpapierkurse werden sich immer aufgrund von Neuigkeiten ändern. Es hat jedoch wenig Sinn zu versuchen, diese Entwicklungen vorherzusagen.

Doch auch wenn noch keine nachhaltig erfolgreiche Strategie für perfektes Markttiming entwickelt wurde, gibt es einige Maßnahmen, die jeder Investor ergreifen kann, um mit der inneren Unruhe, die mit Investments verbunden ist, leichter umgehen zu können.

Eine Möglichkeit besteht darin, sich bewusst zu machen, dass es bei einer Investmententscheidung nicht darum geht, zu 100% oder zu 0% investiert zu sein. Im Idealfall sollten sich Investoren an ihre individuelle strategische Vermögensallokation halten, egal ob diese nun ein Aktien-Anleihen-Verhältnis von 70/30, 60/40 oder 50/50 vorsieht.

Diese strategische Allokation kann zusätzlich mit periodischen und disziplinierten Rebalancierungen kombiniert werden, bei denen Investoren Vermögen aus Anlageklassen mit guter Performance in weniger begünstigte Anlageklassen verlagert. Das ist eine gute Methode um Risiken zu kontrollieren, ohne dabei den Markt timen zu wollen.

Eine dritte Möglichkeit besteht darin, dass Investoren ihre bereits erzielten Gewinne in ihrer Vermögensallokation mitberücksichtigen und diese entsprechend anpassen, wenn sie auf gutem Weg sind, ihre persönlichen Zielen zu erreichen. So kann es zum Beispiel für manche Investoren äußerst sinnvoll sein, Gewinne nach einer guten Periode in Anleihen mit kurzer Laufzeit zu reinvestieren, wenn das ihren individuellen Bedürfnissen entspricht.

Eine wiederum andere Alternative ist die Ausnutzung des Durchschnittskosteneffekts. Bei dieser Methode investieren Investoren kleine Mengen eines verfügbaren Bestands an Barmitteln über einen längeren Zeitraum, anstatt auf einmal einen großen Pauschalbetrag zu investieren.

Einen wertvollen Beitrag zu diesem Thema leistete Kenneth French, Professor für Finanzen an der Tuck School of Business am Dartmouth College. In seiner Rolle als Akademiker meint Professor French, dass die optimale Entscheidung zwar sei, alles auf einmal zu investieren. Doch auch wenn der einzelne Investor dadurch vielleicht das beste Investmentergebnis erzielen kann, muss dies nicht unbedingt zu der besten Investmenterfahrung führen.

Der Grund dafür mag sein, dass Menschen dazu neigen, etwas stärker zu bereuen, das durch ihr eigenes Handeln verursacht wurde, als etwas, was auf ihr Unterlassen zurückzuführen ist. Zum Beispiel schmerzt es oftmals viel stärker, Aktien zu kaufen und dann zu sehen, wie ihr Kurs sinkt, als Aktien nicht zu kaufen und anschließend zu beobachten, wie ihr Kurs steigt.

Professor French erklärt, dass Anleger durch die Ausnutzung des Durchschnittskosteneffekts ihre „Handlungen“ (also das, was sie getan haben) leicht von ihren „Unterlassungen“ (das, was sie nicht getan haben) unterscheiden können.

„Selbst in meiner Rolle als Finanzprofessor kann ich sagen, dass es langfristig gesehen Ihrem Portfolio nicht wirklich schadet, wenn Sie Ihre Investments über drei oder vier Monate verstreut tätigen“, meint Professor French. „Wenn dies für Sie als Anleger also erträglicher ist, richten Sie dadurch kaum Schaden an.“

Zusammengefasst kann daher gesagt werden, dass es schwierig ist, den exakt richtigen Zeitpunkt für einen Marktein- oder -ausstieg zu wählen. Es wäre beispielsweise schön gewesen, Ende 2007 aus dem Markt ausgestiegen zu sein und etwa Anfang März 2009 wieder in den Markt eingetreten zu sein.

Doch die meisten Sterblichen besitzen eine derartige Vorhersagefähigkeit nicht. Die gute Nachricht ist allerdings, dass es andere Möglichkeiten gibt. Sie müssen sich nicht zeitweise komplett vom Markt fernhalten, nur um dann wieder auf einmal zu 100% einzusteigen.

Dazu gehört es an erster Stelle, eine langfristige strategische Vermögensallokation aufrecht zu halten, regelmäßige Rebalancierungen vorzunehmen, Geld aus Investments abzuziehen, wenn Sie auf dem richtigen Weg sind, Ihre Ziele für Ihre Altersversorgung zu erreichen, sowie den Durchschnittskosteneffekt zu nutzen, wenn dieser eine beruhigende Wirkung auf Sie hat.


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Der Text wurde von Dimensional (einer unserer aktuellen Fondspartner) bereitgestellt. Da er unsere Investmentphilosophie widerspiegelt, geben wir Ihn an dieser Stelle gerne weiter.